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Fallstudie papierlose Qualitätskontrolle im Betrieb

Ein Prüfformular liegt am Arbeitsplatz, ein weiteres im Ordner der Schichtleitung. Am Ende der Woche werden Werte in eine Excel-Datei übertragen. Fehlt eine Unterschrift oder ist ein Messwert unleserlich, beginnt die Suche. Genau an diesem Punkt setzt eine Fallstudie papierlose Qualitätskontrolle im Betrieb an: nicht mit einer App als Selbstzweck, sondern mit der Frage, wie Prüfungen im Alltag verlässlich, nachvollziehbar und ohne zusätzlichen Verwaltungsaufwand funktionieren.

Der folgende Praxisfall beschreibt ein typisches Szenario aus einem österreichischen KMU mit Fertigung und Montage. Das Unternehmen ist bewusst anonymisiert. Die Abläufe, Herausforderungen und Lösungsansätze sind jedoch realitätsnah und zeigen, worauf es bei der Digitalisierung von Qualitätsprozessen ankommt.

Ausgangslage: Qualitätsdaten waren vorhanden, aber nicht verfügbar

Das Unternehmen fertigt kundenspezifische Baugruppen in kleinen bis mittleren Serien. Bei Wareneingang, während der Produktion und vor der Auslieferung sind Prüfungen erforderlich. Mitarbeitende dokumentierten diese Kontrollen auf Papier: mit Prüflisten, Messprotokollen, Fotos und handschriftlichen Kommentaren.

Das System funktionierte grundsätzlich. Es hatte sich über Jahre entwickelt und war den Mitarbeitenden vertraut. Dennoch entstanden im Alltag Reibungsverluste. Prüfblätter kamen verspätet in die Ablage, unterschiedliche Versionen von Checklisten waren im Umlauf und bei Reklamationen dauerte es oft lange, die vollständige Dokumentation eines Auftrags zusammenzustellen.

Besonders kritisch war nicht die einzelne Prüfung, sondern der Medienbruch danach. Daten wurden teilweise nachgetragen, Mängel per Telefon oder Zuruf weitergegeben und Fotos auf privaten oder lokalen Geräten gespeichert. Die Qualitätsleitung hatte dadurch keinen laufenden Überblick darüber, welche Prüfungen offen waren, wo Abweichungen auftraten und ob Korrekturmaßnahmen tatsächlich abgeschlossen wurden.

Die Geschäftsführung wollte daher keine allgemeine Standardsoftware einführen, die zahlreiche Funktionen mitbringt, aber bestehende Abläufe verbiegt. Gesucht war eine Lösung, die sich an den realen Prüfprozess anpasst, vorhandene Systeme berücksichtigt und für Mitarbeitende in der Halle einfach bedienbar bleibt.

Zielbild: Eine Prüfung muss dort dokumentiert werden, wo sie stattfindet

Im gemeinsamen Projektcheck wurden vier Ziele festgelegt. Erstens sollten Mitarbeitende Prüfschritte direkt am Arbeitsplatz digital erfassen können. Zweitens musste jede Prüfung eindeutig einem Auftrag, einer Charge oder einem Bauteil zuordenbar sein. Drittens sollten Abweichungen sofort sichtbar werden und gezielt an die zuständige Person gehen. Viertens brauchte das Unternehmen eine vollständige, exportierbare Dokumentation für interne Auswertungen, Kundennachweise und Audits.

Entscheidend war dabei ein pragmatischer Grundsatz: Papier sollte nicht einfach als PDF auf einem Tablet weitergeführt werden. Ein digitaler Prozess muss Informationen automatisch zusammenführen, Eingabefehler vermeiden und Folgeaufgaben auslösen können. Sonst wird aus dem Papierformular lediglich ein schlecht lesbarer Bildschirm.

Fallstudie zur papierlosen Qualitätskontrolle im Betrieb: Der Projektablauf

Die Umsetzung erfolgte in drei klaren Schritten. Dieser Aufbau reduzierte das Projektrisiko und sorgte dafür, dass die Lösung fachlich wie technisch zum Betrieb passt.

1. Prozess verstehen und sinnvoll vereinfachen

Zu Beginn wurden die bestehenden Prüflisten, Verantwortlichkeiten und Übergaben aufgenommen. Dabei zeigte sich schnell: Nicht jeder dokumentierte Wert wird später benötigt. Einige Felder wurden nur ausgefüllt, weil sie seit Jahren auf dem Formular standen. Andere Informationen, etwa die eindeutige Zuordnung von Fotos zu einer Abweichung, fehlten dagegen völlig.

Gemeinsam mit Qualitätsleitung, Produktion und Verwaltung wurden die Prüfprozesse deshalb gestrafft. Wiederkehrende Prüfungen erhielten standardisierte digitale Checklisten. Je nach Auftrag, Produktgruppe oder Prüfstation zeigt das System nur jene Punkte an, die tatsächlich relevant sind. Pflichtfelder verhindern, dass eine Kontrolle unvollständig abgeschlossen wird. Toleranzwerte lassen sich direkt hinterlegen, sodass auffällige Messergebnisse nicht erst später erkannt werden.

Diese Phase ist oft wertvoller als die reine Programmierung. Wer einen unklaren Ablauf digitalisiert, erhält einen unklaren digitalen Ablauf. Wer Verantwortlichkeiten, Freigaben und Ausnahmefälle vorher sauber definiert, schafft eine Grundlage, die später im Betrieb akzeptiert wird.

2. Individuelle Anwendung in die vorhandene IT einbinden

Auf Basis des abgestimmten Konzepts entstand eine webbasierte Anwendung für Tablets und PCs. Mitarbeitende melden sich mit ihren persönlichen Zugängen an und wählen Auftrag oder Charge über Suchfunktion, QR-Code oder Barcode aus. Die jeweilige Prüfliste öffnet sich automatisch.

Messwerte können eingegeben, Auswahlfelder gesetzt und Fotos direkt an einer Abweichung hinterlegt werden. Wird ein Grenzwert überschritten oder ein Prüfschritt negativ bewertet, erstellt die Anwendung einen Abweichungsfall. Dieser enthält den betroffenen Auftrag, die Beschreibung, Bildmaterial, Zeitpunkt und verantwortliche Person. Die Qualitätsleitung sieht sofort, welche Fälle offen sind und welche Maßnahmen noch fehlen.

Für die Verwaltung war die Anbindung an bestehende Daten besonders wichtig. Auftragsnummern und Artikelinformationen müssen nicht händisch doppelt erfasst werden. Das senkt Fehlerquellen und spart Zeit. Ob eine direkte Schnittstelle zum ERP-System, ein regelmäßiger Datenabgleich oder zunächst ein Import sinnvoll ist, hängt von der vorhandenen Systemlandschaft und dem erwarteten Nutzen ab. Nicht jede Integration muss im ersten Schritt umgesetzt werden.

Auch Sicherheit wurde von Anfang an berücksichtigt. Rollen und Berechtigungen stellen sicher, dass Mitarbeitende nur jene Daten und Funktionen sehen, die sie für ihre Aufgabe benötigen. Änderungen bleiben nachvollziehbar. Regelmäßige Backups, verschlüsselte Übertragungen und ein klar geregelter Zugriff sind bei Qualitätsdaten keine Zusatzfunktion, sondern Teil einer professionellen Lösung.

3. Mit einem Pilotbereich starten und gezielt ausrollen

Statt alle Prüfungen auf einmal umzustellen, startete das Unternehmen mit der Endkontrolle einer Produktgruppe. Die Mitarbeitenden testeten die Anwendung unter realen Bedingungen. Dabei ging es nicht nur um technische Fehler. Ebenso wichtig waren praktische Fragen: Ist die Schriftgröße in der Produktion ausreichend? Lassen sich Handschuhe mit dem Tablet bedienen? Fehlt ein Auswahlwert? Dauert ein Prüfschritt länger als mit Papier?

Nach wenigen Anpassungen wurde der Pilot auf weitere Bereiche ausgeweitet. Parallel blieben die Papierformulare für eine kurze Übergangszeit verfügbar. Das gab Sicherheit und verhinderte, dass die Umstellung den laufenden Betrieb belastet. Erst als die Prozesse stabil liefen und die Mitarbeitenden mit der Anwendung vertraut waren, wurde Papier schrittweise abgelöst.

Was sich im Betrieb konkret verändert hat

Der sichtbarste Effekt war die schnellere Verfügbarkeit von Informationen. Prüfprotokolle liegen nicht mehr gesammelt am Ende einer Schicht oder Woche vor, sondern unmittelbar nach der Durchführung. Die Qualitätsleitung kann offene Abweichungen priorisieren, bevor sie sich auf Folgeaufträge auswirken.

Auch die Rückverfolgbarkeit wurde deutlich besser. Zu jedem Auftrag lassen sich Prüfschritte, Messwerte, Fotos, Kommentare und Freigaben zentral abrufen. Wenn ein Kunde eine Frage stellt oder eine interne Ursachenanalyse notwendig ist, beginnt die Recherche nicht mehr in mehreren Ordnern und E-Mail-Postfächern.

Ein weiterer Nutzen liegt in der Standardisierung. Mitarbeitende arbeiten mit derselben aktuellen Prüfanweisung. Änderungen an Checklisten sind zentral steuerbar und werden nicht erst dann wirksam, wenn alte Ausdrucke aufgebraucht sind. Das schafft mehr Sicherheit bei wechselnden Schichten, neuen Kolleginnen und Kollegen sowie bei wachsenden Stückzahlen.

Die Digitalisierung bringt allerdings nicht automatisch bessere Qualität. Falsche Prüfkriterien bleiben falsch, auch wenn sie auf einem Tablet angezeigt werden. Ebenso kann eine zu umfangreiche Eingabemaske die Akzeptanz senken. Gute Lösungen konzentrieren sich deshalb auf die Daten, die für Qualität, Nachweis und Verbesserung wirklich gebraucht werden.

Welche Kennzahlen den Nutzen sichtbar machen

Wer die papierlose Qualitätskontrolle im Betrieb bewertet, sollte nicht nur auf eingesparte Ausdrucke schauen. Aussagekräftiger sind Kennzahlen, die den operativen Ablauf abbilden: die Zeit bis zur Verfügbarkeit eines Prüfprotokolls, die Anzahl unvollständiger Prüfungen, die Bearbeitungsdauer offener Abweichungen und der Aufwand, einen vollständigen Nachweis zu einem Auftrag bereitzustellen.

Je nach Ausgangslage können auch Reklamationsgründe, Nacharbeitsquoten oder wiederkehrende Fehlerbilder relevant sein. Wichtig ist, vor Projektstart einen realistischen Ausgangswert zu erfassen. Nur dann lässt sich später beurteilen, ob die Investition den erwarteten Effekt erzielt.

Für ein kleines Unternehmen mit wenigen Prüfungen pro Woche kann bereits eine schlanke Lösung sinnvoll sein, wenn Nachweispflichten hoch sind oder eine Person viel Zeit mit Suchen und Übertragen verbringt. Bei komplexeren Fertigungsabläufen steigt der Nutzen vor allem durch automatisierte Eskalationen, Auswertungen und die Integration mit Auftragsdaten.

Worauf KMU vor dem Start achten sollten

Eine gute digitale Qualitätslösung beginnt nicht mit der Frage nach möglichst vielen Funktionen. Sie beginnt mit konkreten Abläufen: Welche Prüfung verursacht heute Wartezeiten? Wo gehen Informationen verloren? Wer muss bei einer Abweichung handeln? Und welche Nachweise werden tatsächlich benötigt?

Ebenso wichtig ist die Einbindung der Mitarbeitenden. Wer täglich prüft und dokumentiert, erkennt früh, ob ein Feld fehlt oder ein Ablauf in der Praxis nicht funktioniert. Die beste Akzeptanz entsteht, wenn die Anwendung spürbar Arbeit abnimmt – etwa durch vorausgefüllte Auftragsdaten, klare Prüfschritte und weniger doppelte Eingaben.

SMARTSQUARE entwickelt solche Anwendungen als individuelle Lösung auf Basis Ihrer Prozesse. Das kann eine kompakte Prüfapp für einen klar abgegrenzten Bereich sein oder ein schrittweise wachsendes System mit Schnittstellen, Freigaben und Auswertungen. Maßgeblich ist nicht der Funktionsumfang auf dem Papier, sondern ein Ablauf, der im Betrieb verlässlich genutzt wird.

Der sinnvollste erste Schritt ist daher kein großes Lastenheft. Nehmen Sie einen konkreten Prüfprozess, der heute Zeit kostet oder Unsicherheit schafft, und betrachten Sie ihn gemeinsam mit den Menschen, die ihn täglich ausführen. Dort zeigt sich meist sehr schnell, welche digitale Unterstützung wirklich Wirkung entfaltet.

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